Veröffentlicht von CareerBuilder Germany am 15 Februar 2017
Themen: Kommunikation - Kandidatenansprache - Stellenanzeigen | Keine Kommentare

Suchen wir „Dich“ oder „Sie“? Die Kunst der richtigen KandidatenanspracheEs scheint die Gretchenfrage der deutschen HR-Szene zu sein: „Duzen oder siezen wir die Bewerber in der Stellenanzeige?“ Gibt man sich also trendbewusst oder setzt man lieber auf die traditionellen Werte in der Kommunikation? Die Entscheidung ist weitreichender, als man zunächst annehmen möchte, und sollte daher wohl überlegt sein. Denn ob Sie den Kandidaten mit Du oder Sie ansprechen, nimmt Einfluss auf den weiteren Recruiting-Prozess. Folgende Aspekte sollten Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen.

Welchen Effekt hat das Duzen überhaupt beim Bewerber?

„Du arbeitest gern mit anderen im Team, übernimmst Verantwortung und bringst eine hohe Online- und Technikaffinität mit? Dann bewirb Dich bei uns!“ Unternehmen, die ihre Kandidaten in der Stellenanzeige duzen, vermitteln ein unkompliziertes Miteinander in ihrem Haus. Sie grenzen sich bewusst von starren Abläufen und formalen Entscheidungsprozessen anderer Konzerne ab und lassen Hierarchien in den Hintergrund rücken.

Ansprache auf Augenhöhe oder ohne Wertschätzung?

Vor allem jüngere Bewerber oder Berufsanfänger fühlen sich „auf Augenhöhe“ angesprochen und verlieren möglicherweise schneller die letzten Selbstzweifel. Das freundschaftliche Du in der Stellenanzeige ermutigt sie, eine Bewerbung abzugeben. Auf erfahrene Kandidaten hingegen wirkt das Du möglicherweise befremdlich. Sie sind in einer Siezkultur aufgewachsen, in der ungefragt zu Duzen als respektlos gilt und die nötige Wertschätzung vermissen lässt. Sie könnten sich also schon beim Lesen der Stellenanzeigen „unwohl“ fühlen und daher weiter nach Alternativen suchen.

Auf die Zielgruppe kommt es an

Eine genaue Zielgruppenanalyse ist daher zwingend nötig, um die richtige Kandidatenansprache zu finden. Welche Altersgruppe mit welchem Ausbildungshorizont und in welchem Umfeld soll adressiert werden? Denn der 25-jährige Uniabsolvent erwartet von der Kreativ-Agentur eine andere Ansprache als der berufserfahrene Manager, der sich für eine Führungsposition bewirbt. Das legt natürlich die Vermutung nahe, dass Unternehmen durch das Duzen in der Stellenbeschreibung bereits eine Vorauswahl auf Basis sozialer Kriterien treffen, ohne dabei dem AGG zu widersprechen. Mit dem Du wird nur ein ganz bestimmter, meist jüngerer Bewerberkreis angesprochen. Zwischen den Zeilen steht die Aussage: „Wenn Du Dich auf diese Weise nicht angesprochen fühlst, passt Du nicht zu uns.“

Kandidaten in der Zwickmühle

Dass Unternehmen viele Bewerber mit dem zwanglosen „Du“ stark verunsichern, ist ihnen häufig gar nicht bewusst. Die Kandidaten kommen nämlich spätestens dann ins Grübeln, wenn es um das Formulieren des Anschreibens geht. Sollen sie nun Heike aus der Personalabteilung erläutern, warum sie richtig gut ins Profil passen oder doch lieber Frau Schäfer um einen Vorstellungstermin bitten? Den Personaler ebenfalls zu duzen, wäre eigentlich die logische Konsequenz. Allerdings kann das unhöflich wirken und der Bewerber fühlt sich deshalb unwohl mit dieser Formulierung.

Unternehmen sollten sich also bewusst sein, dass sie ihre zukünftigen Mitarbeiter schon beim Lesen der Stellenanzeige mitunter in Bedrängnis bringen und diese dann aus Unsicherheit lieber auf eine andere Stellenanzeige reagieren. Arbeitgeber, die sich bewusst für das „Du“ in der Stellenanzeige entscheiden, tun gut daran, in den Anschreiben nicht auf die Fortführung der gewählten Ansprache zu pochen. Sonst könnten vielversprechende Talente am Ende unnötig übergangen werden.

„Hallo Heike, hier ist Robert“ – Möchten Sie geduzt werden?

Dass eine Stellenanzeige nicht nur Hilfsmittel zur Mitarbeiterakquise ist, sondern auch zur Imagebildung beiträgt, ist bekannt. Mit der Anzeige wird beim Kandidaten eine bestimmte Erwartungshaltung aufgebaut. „Wenn Du noch Fragen hast, ruf uns einfach an.“ Das klingt herrlich unkompliziert und kameradschaftlich. Frau Schäfer darf es dem Bewerber also nicht übelnehmen, wenn sich dieser telefonisch mit „Hallo Heike, hier ist der Robert. Ich hab da noch zwei Fragen zu meiner Bewerbung“ meldet. Vielleicht geht der Bewerber in Anlehnung an die Stellenanzeige auch davon aus, dass im Vorstellungsgespräch ebenfalls das Du erwartet wird und ist dann völlig verunsichert, weil ihm ein humorloser Abteilungsleiter gegenüber sitzt, der größten Wert auf kommunikative Etikette legt.

Authentizität ist der Schlüssel

Die Frage ob Du oder Sie kann also nur im Sinne der Authentizität beantwortet werden. Entspricht das Bild, das HR durch die Stellenanzeige vom Unternehmen zeichnet, auch der Realität? Wird es den Erwartungen der Bewerber gerecht, weil sich die Mitarbeiter untereinander duzen und auch ihre Vorgesetzten mit Du ansprechen? Wie wichtig sind Hierarchien im Haus und wird tatsächlich der kameradschaftliche und lockere Umgang gepflegt, den die Stellenanzeige vermuten lässt? Mit der Stellenanzeige bewerben Sie sich sozusagen ebenfalls bei potenziellen Kandidaten. Ihr Ziel muss es sein, Ihre Zielgruppe dabei möglichst authentisch anzusprechen und zu ermutigen, sich zu bewerben.

 

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Quellen & weitere Informationen: stellenpakete.de, karriereakademie.de, haufe.de

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